LinkedIn erweitert das Ad-Targeting: drei neue Kategorien, die neue Zielgruppen erschließen

IN THIS BLOG:

LinkedIn hat im Campaign Manager drei neue Targeting-Kategorien ausgerollt. Sie stehen global allen Werbetreibenden zur Verfügung und liegen direkt im Audience-Setup der Kampagnenerstellung. Neu sind zusätzliche Merkmale im Company Targeting, über 100 zusätzliche Interessenkategorien und ein Device Targeting.

Für B2B-Marketer ist das ein potenzieller Gewinn an Präzision. Zielgruppen, die sich bisher nur über Umwege abbilden ließen, etwa frisch finanzierte Unternehmen oder thematisch interessierte Entscheider ohne passenden Jobtitel, sind jetzt nativ adressierbar. Was diese Kategorien in deinem Setup leisten, zeigt sich allerdings erst im Test.

1. Was neu ist

Company Targeting
Neue Merkmale, die auf den Unternehmenszustand statt auf Branche oder Größe abzielen:

  • Finanzierungsphase (Funding Stage)
  • kürzlich erfolgte Finanzierung (Recently Funded)
  • Unternehmensform: Nonprofit oder börsennotiert
  • Mergers and Acquisitions
  • bediente Regionen (Regions Served)


General Interest Targeting

Über 100 neue Interessenkategorien, darunter Themen wie Generative AI.


Device Targeting
Aussteuerung nach Betriebssystem (iOS, Android) sowie nach Gerätetyp (Mobile, Desktop, Tablet).

2. Interessen-Targeting: neue Reichweite am Anfang des Funnels

Interessenkategorien sind abgeleitete Signale. LinkedIn schließt aus dem Verhalten eines Mitglieds auf ein Thema, das dieses Mitglied beschäftigt. Das ist etwas anderes als eine Jobbezeichnung, die aus dem Profil deklariert wird. Genau darin liegt die Chance.

Für Demand Generation eröffnet das eine Zielgruppe, die über Profilmerkmale allein nicht erreichbar ist: Menschen, die sich für ein Thema interessieren, ohne dass ihr Titel oder ihre Branche das verrät. Wer heute Generative AI im Unternehmen vorantreibt, trägt das selten im Jobtitel.

Diese Zielgruppen lassen sich mit Educational Content gut abholen. Frameworks, Benchmarks, Erklärvideos, Studien und Meinungsbeiträge treffen auf ein bestehendes Themeninteresse, nicht auf eine Kaufabsicht. Der potenzielle Gewinn liegt entsprechend oben im Funnel: mehr qualifizierte Reichweite, größere Retargeting-Pools und ein früherer Kontaktpunkt im Buying Cycle.

Offen bleibt, wie präzise die Kategorien in der Praxis sind und wie sich die Zielgruppen im weiteren Funnelverlauf verhalten. Das ist keine Frage der Theorie, sondern eine der Messung.

3. Funding Stage und M&A: Anlass statt Firmografie

Die neuen Unternehmensmerkmale beschreiben nicht, was ein Unternehmen ist, sondern in welcher Situation es sich befindet. Für Anbieter mit anlassgetriebenem ICP ist das der interessanteste Teil des Updates.

Startups und Scaleups. Wer an frisch finanzierte Unternehmen verkauft, arbeitete bisher mit Näherungswerten: Mitarbeiterzahl, Gründungsjahr, gekaufte Listen. Funding Stage und Recently Funded ersetzen einen Teil davon durch ein natives Merkmal. Der eigentliche Hebel ist das Timing. Nach einer Finanzierungsrunde entstehen in kurzer Folge Budgets für Recruiting, Tooling, Rechtsberatung, Finance-Prozesse und Markenaufbau. Anbieter in diesen Feldern können ein Zeitfenster adressieren, das sich sonst nur über Vertrieb oder News-Monitoring erschließt.

M&A. Für Beratungen, Kanzleien, IT-Dienstleister und Anbieter im Bereich Post-Merger-Integration liefert das Merkmal einen direkten Anlassbezug. Systemkonsolidierung, HR-Integration, Change-Kommunikation und Compliance sind Themen, die durch eine Transaktion ausgelöst werden und nicht durch einen Bedarf, der ohnehin bestand.

Regions Served. Relevant für Anbieter, deren Angebot an einen geografischen Wirkungskreis gebunden ist, etwa Exportfinanzierung, Zoll- und Compliance-Themen oder Lokalisierungsdienstleistungen.

Nonprofit und börsennotiert. Zwei sehr unterschiedliche Anwendungsfälle. Nonprofit hilft Anbietern mit NGO- oder Public-Sector-Fokus. Börsennotierte Unternehmen sind die natürliche Zielgruppe für Themen wie Investor Relations, Berichtspflichten und ESG-Reporting.

4. Device Targeting: Creative und Conversion-Pfad sauber trennen

Ein Gerätetyp definiert keine Zielgruppe, sondern eine Nutzungssituation. Der Gewinn liegt darin, Creative und Conversion-Ziel nicht mehr für beide Situationen gleichzeitig optimieren zu müssen: Lead Gen Forms und vertikale Creatives auf Mobile, erklärungsbedürftige Landingpages, Demo-Buchungen und längere Formulare auf Desktop. Das Merkmal lässt sich auch als Ausschluss einsetzen.

Wie stark dieser Hebel wiegt, hängt davon ab, wie sich deine Zielgruppe tatsächlich aufteilt. Und genau hier ist die öffentliche Datenlage schwächer, als es die kursierenden Zahlen vermuten lassen.

Die am häufigsten zitierte Zahl lautet, dass 57 % des LinkedIn-Traffics von mobilen Geräten kommen. Diese Angabe stammt aus dem Quartalsbericht von LinkedIn für das vierte Quartal 2015, in dem der damalige CEO Jeff Weiner erklärte, Mobile sei dreimal schneller gewachsen als die Mitgliederaktivität insgesamt und mache nun 57 % des gesamten Traffics aus. Sie ist damit rund zehn Jahre alt und wird seitdem in Statistik-Zusammenstellungen weitergereicht.

Aktuellere Messungen kommen zu einem anderen Bild, messen aber etwas anderes. Similarweb-basierte Auswertungen weisen für März 2026 rund 69 % Desktop und rund 31 % Mobile für die Zugriffe auf linkedin.com aus. Diese Messung erfasst ausschließlich Browser-Traffic. Die LinkedIn-App, über die ein erheblicher Teil der Content-Nutzung läuft, taucht darin nicht auf. Zusammenstellungen, die stattdessen Engagement- und Videometriken auswerten, kommen deshalb auf deutlich höhere Mobile-Anteile.

Die belastbare Aussage lautet: Es gibt derzeit keine öffentlich verfügbare, aktuelle Zahl von LinkedIn selbst zur Geräteverteilung, und die kursierenden Werte messen unterschiedliche Dinge. Wer Device Targeting bewerten will, sollte das nicht über Benchmarks tun, sondern über die eigene Kampagnen- und Analytics-Datenbasis. Das Update macht diese Auswertung erstmals sauber möglich, weil sich die Geräte jetzt in getrennten Kampagnen ausspielen und vergleichen lassen.

5. Was du beim Testen im Blick behalten solltest

Zielgruppengröße. LinkedIn setzt die technische Untergrenze bei 300 Mitgliedern. Aus unserer Erfahrung in B2B-Kampagnen liegt die praktisch sinnvolle Untergrenze deutlich höher: Zielgruppen sollten mindestens 10.000 bis 30.000 Mitglieder umfassen. Unterhalb von 10.000 leidet die Ausspielung, die Frequenz steigt schnell an und die KPIs werden unruhig. Die Ausnahme sind Retargeting-Kampagnen, die auch mit kleineren Pools stabil laufen, weil die Zielgruppe bereits vorqualifiziert ist. Jede zusätzliche Filterebene verkleinert die Zielgruppe, deshalb lohnt sich der Blick auf die Forecast-Anzeige, bevor mehrere neue Merkmale kombiniert werden.

Datenqualität. Interessen sind abgeleitet, nicht deklariert. Firmenmerkmale wie Finanzierungsphase oder M&A-Status hängen davon ab, wie aktuell die zugrunde liegenden Unternehmensdaten sind. Eine Stichprobe über bekannte Zielunternehmen zeigt schnell, wie gut die Zuordnung im eigenen Marktsegment funktioniert.

6. Empfehlung: testen, nicht umbauen

Für eine belastbare Empfehlung, welche der neuen Kategorien sich in welchem Setup lohnt, ist es zu früh. Dafür fehlen Laufzeit und Datenpunkte. Was sich empfehlen lässt, ist ein strukturierter Test:

  1. Separate Testkampagnen aufsetzen. Lege die neuen Merkmale nicht auf bestehende Kampagnen, sondern baue eine eigene Kampagne pro Hypothese. Nur so lässt sich der Effekt isolieren.
  2. Gegen eine Referenz messen. Eine bestehende, gut laufende Kampagne mit klassischem Jobtitel- oder Account-Targeting dient als Benchmark.
  3. Die gesamte KPI-Kette prüfen, nicht nur die erste Stufe. CPC und CTR zeigen, ob Creative und Zielgruppe zusammenpassen. CPL zeigt die Effizienz der Conversion. Entscheidend wird es danach: Cost per MQL, Cost per SQL und, sofern im CRM abbildbar, Cost per Opportunity und der Beitrag zur Pipeline. Neue Zielgruppen können auf der ersten Stufe attraktiv aussehen und weiter unten im Funnel abfallen, oder umgekehrt.
  4. Laufzeit und Budget vorab festlegen. Ohne definierten Testzeitraum und ausreichendes Budget pro Kampagne entstehen Zahlen, aus denen sich keine Entscheidung ableiten lässt.

Der Aufwand dafür ist überschaubar. Der potenzielle Gewinn besteht darin, Zielgruppensegmente zu erschließen, die im eigenen Markt bisher nicht adressierbar waren, bevor der Wettbewerb dieselben Kategorien entdeckt.

Weiterführende Artikel

→ LinkedIn Product Update: New audience targeting capabilities
→ LinkedIn Help: Targeting-Optionen im Campaign Manager
→ LinkedIn Help: Anforderungen und Mindestgröße von Zielgruppen
→ VentureBeat: LinkedIn Q4 2015, 57 % des Traffics über Mobile
→ DemandSage: LinkedIn Statistics 2026, Similarweb-basierte Geräteverteilung

Whitepaper

Kostenlosen Strategie-Call buchen

Über den Autor

Moritz Spangenberg ist Geschäftsführer von Deep Blue Growth, dem Marketingpartner für wachstumsorientierte Mittelständler in Deutschland.
deepbluegrowth.com/de

Wir schlagen die Brücke zwischen Strategie und Umsetzung

Wir verbinden Senior Marketing Consulting mit Full-Service-Umsetzung, um Marketingstrategien für den deutschen Mittelstand zu entwickeln und umzusetzen, die auf fundiertem Geschäftsverständnis basieren. Unser Team vereint die Stärken von Strategieberatern und Marketingagenturen in einem integrierten Ansatz.